Die Preisträger 2003
Neumarkter Lammsbräu
Neumarkter Lammsbräu mit „Innovationspreis Bio-Lebensmittel-Verarbeitung“
ausgezeichnet
Auf der ANUGA 2003 in Köln hat Bundesverbraucher-ministerin
Renate Künast das Unternehmen Neumarkter Lammsbräu mit
einem der beiden ersten Hauptpreise des Wettbewerbs „Innovationspreis
Bio-Lebensmittel-Verarbeitung“ ausgezeichnet. Bei dem erstmals
vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung
und Landwirtschaft initiierten Wettbewerb waren branchenübergreifend
innovative Leistungen bei der Verarbeitung ökologischer Produkte
gefragt. Mit Hilfe einer zehnköpfigen Expertenjury wurden insgesamt
48 Bewerbungen geprüft, 13 Betriebe kamen in die engere Wahl.
Ebenfalls mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde neben der Neumarkter
Privatbrauerei die Teutoburger Ölmühle, den dritten Preis
erhielt die Chiemgauer Naturfleisch GmbH, außerdem gab es
fünf Auszeichnungspreise. Minsterin Künast überreichte
den Innovationspreis auf dem Messestand „Spezial Ökologischer
Landbau und Verarbeitung“ des Bundesministeriums.

Foto: Neumarkter Lammsbräu
Das seit 375 Jahren bestehende Neumarkter Lammsbräu
in der Oberpfalz/Bayern hatte sich beim „Innovationspreis
Bio-Lebensmittel-Verarbeitung“ in allen fünf vorgegebenen
Innovationsfeldern beworben – Technologie und Verfahren, Rohstoffart
und -erzeugung, Marketing, Umweltleistungen, Kulturelles und Soziales.
Voraussetzung für einen der Hauptpreise waren Leistungen in
mindestens zwei Feldern, was für Lammsbräu kein Problem
darstellte. „Das Unternehmen ist praktisch in allen Teilbereichen
vorbildlich innovativ tätig, das Gesamtkonzept ist hervorragend!“,
fasste das Jurymitglied Dr. Urs Niggli bei der Jurorensitzung zusammen.
Besonders hervorzuheben sind die Leistungen in den Bereichen „Technologie
und Verfahren“. Den Neumarktern gelang es, mit Hilfe von Zellulosefasern
eine kieselgurfreie Filtration zu realisieren. Weltweit werden alle
Biersorten, mit Ausnahme der naturtrüben Biere, mittels Kieselgurfiltration
geklärt. Bis vor wenigen Jahren war die Entsorgung von Kieselgur
unproblematisch, es konnte in die Kanalisation eingeleitet werden.
Inzwischen gibt es jedoch in fast allen Kommunen Einleiteverbote
für feste Stoffe. Dem daraufhin üblichen Entsorgungsweg
über die Hausmülldeponien steht nun ab 2005 ebenfalls
das gesetzliche Aus bevor. Mit seiner Umstellung auf kieselgurfreie
Filtration erwies sich Lammsbräu ein weiteres Mal als weit
vorausschauender Pionier. Mittlerweile wird in der innovationsfreudigen
Brauerei schon eifrig an einer Weiterentwicklung des Filtrationsverfahrens
gearbeitet. Ein neu entwickeltes Filtermedium hat bereits die ersten
Testläufe in der Produktion durchlaufen. Das Restprodukt nach
der Filtration ist möglicherweise als hochwertiges Viehfutter
verwendbar. Damit setzt Lammsbräu vollkommen neue Maßstäbe
für eine nahezu abfallfreie Filtertechnik.
Höchste Anerkennung gab es für die Brauerei auch im Innovationsfeld
„Umweltleistungen“: Der Betriebsablauf wird kontinuierlich
überprüft und Schwachstellen in einem so genannten Öko
Controlling Bericht aufgeführt. Defizite werden damit erkannt
und Lösungsansätze entwickelt. Zu den daraus resultierenden
Maßnahmen zählen unter anderem pflanzenölbetriebene
LKWs und PKWs: 1997 fuhren die ersten entsprechend umgerüsteten
PKWs mit Pflanzenöl. Das hierzu notwendige Öl wird aus
Leindotter gewonnen, der zusammen mit der ökologischen Gerste
als Mischfrucht von den Partnerlandwirten der Brauerei angebaut
wird. Mittlerweile sind es zwölf PKWs, ein Kleinbus und seit
November 2002 sogar ein LKW. Damit wurden in den letzten drei Jahren
über 150 t Kohlendioxid-Emissionen eingespart. Die Photovoltaikanlage,
die den Strom für die Beleuchtung des Getränkeabholmarkts
liefert, fand im Umfeld des Lammsbräu viele Nachahmer. Darüber
hinaus sorgt eine Solaranlage auf dem Dach der Mälzerei für
die Erwärmung der Luft in der Darre.
Im Bereich „Rohstoffart und -erzeugung“ wurde die enge
Zusammenarbeit mit den 106 Landwirten des Bioland-Erzeugerzusammenschlusses
für ökologische Braurohstoffe (EZÖB) lobend erwähnt.
Dr. Franz Ehrnsperger, der das mittelständische Unternehmen
mit 85 Mitarbeitern leitet, lässt das Reinheitsgebot für
sein Öko-Bier schon „auf dem Acker“ beginnen. Nur
ausgewähltes Saatgut darf für den Anbau verwendet werden,
um hochqualitative Rohstoffe zu erzeugen. Auf diese Weise trägt
er zur Sicherung des Einkommens der Landwirte bei und sorgt für
4.000 ha ökologisch bewirtschaftetes Land in der Region. Zur
Gewährleistung der Qualität wird außerdem für
die Biergärung nur Bierhefe aus der brauereieigenen Reinzucht
eingesetzt und zum Brauen ausschließlich naturbelassenes Wasser
aus dem eigenen Brunnen.
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