Die Preisträger 2007
2. Preis Kleinbetrieb/Handwerk
Riedenburger Brauhaus
Vollwertbier mit Charakter
Michael Krieger, Chef des Riedenburger Brauhauses, ist ein umsichtiger
Mann: Zwei Jahre hat er sich Zeit gelassen, um ein Bier auf
den Markt zu bringen, das auch zöliakiekranke Menschen
unbeschwert genießen können. Zöliakie-Patienten
reagieren mit Durchfall und Erbrechen auf das Klebereiweiß
Gluten, das alle üblichen Getreidesorten enthalten - ein
für sie verträgliches Bier darf also nicht aus Weizen
oder Gerste gebraut sein. In langen Versuchsreihen hat Krieger
mit glutenfreien Sorten wie Mais, Reis, Quinoa, Sorghum, Amaranth
und Buchweizen experimentiert und probegebraut. Herausgekommen
ist ein Bier auf Hirsebasis - garantiert glutenfrei, bio und
von vollmundig frischem Geschmack. Die Brauerei habe die Lebensqualität
von Zöliakie-Patienten deutlich erhöht, urteilte die
Jury des Innovationspreises Bio-Lebensmittel-Verarbeitung und
zeichnete den "Dauerinnovator" auf der Anuga in Köln
mit dem 2. Platz in der Kategorie Kleinbetrieb aus.
Warum sich Krieger für die längst aus Mitteleuropa
verdrängte Hirse entschieden hat? "Hirsebier war bereits
im Altertum beliebt", erläutert der Braumeister. "Und
unter den glutenfreien Bieren aus der Testphase war Hirsebier
das schmackhafteste." Das gab den Ausschlag, obwohl herkömmliche
Brauanlagen mit der kleinkörnigen Hirse wenig anfangen
können. Das Riedenburger Brauhaus entwickelte in Zusammenarbeit
mit der Malzfabrik Sonnauer in Geisenhausen spezielle Siebe,
beschaffte einen von unten geheizten Bandtrockner und rüstete
zum Brechen des Malzes einen Flockenstuhl nach. Alles in allem
hat das Familienunternehmen mit 15 Angestellten 60.000 Euro
in die Produktentwicklung gesteckt. "Ein für einen
Kleinbetrieb beeindruckender Kraftakt", befand die Jury.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Brauerei aus dem bayerischen
Altmühltal mit Innovationen auffällt: In Kooperation
mit der Benediktinerabtei Plankstetten und deren ökologischen
Landwirtschaft werden bereits seit 1997 Bierspezialitäten
aus den fast in Vergessenheit geratenen Urgetreiden Einkorn,
Emmer und Dinkel gebraut. Im Jahr 2003 erhielt das Riedenburger
Brauhaus dafür den Auszeichnungspreis "Rohstoffart
und -erzeugung" beim Innovationspreis Bio-Lebensmittel-Verarbeitung.
Obwohl die Biere des Riedenburger Brauhauses, das auch gängige
Sorten wie Weißbier, Pils, Dunkelbier und Helles braut,
grundsätzlich unfiltriert und naturtrüb auf den Markt
kommen, zeichnen sie sich durch gute Lagerstabilität aus
- Ergebnis besonders eiweißhaltiger Rohstoffe und einer
eigens angepassten Mälztechnologie. Durch den Verzicht
auf Filtration bleiben Geschmacksträger wie Eiweiß,
Gerbstoffe, Vitamine und Mineralien erhalten und der Nährwert
erhöht sich. "Wir brauen ausschließlich Vollwertbiere
mit eigenständigem Charakter", sagt Krieger, der den
1866 gegründeten Traditionsbetrieb gemeinsam mit seiner
Frau Martha in vierter Generation führt.
Seit 1992 arbeitet die Brauerei nach den Bioland-Richtlinien;
die Rohstoffe stammen von Biobauern aus der Region und vom 20
Kilometer entfernten Kloster Plankstetten.
Mit dem Preis würdigt die Jury das "überzeugende
Gesamtkonzept" des Riedenburger Brauhauses, das seinen
Jahresausstoß von 20.000 Hektolitern hauptsächlich
in der Region und den nahen Städten Ingolstadt, Nürnberg,
München und Regensburg vertreibt. Aber auch im europäischen
Ausland werden die vollmundigen Bierspezialitäten gerne
getrunken. Am besten schmeckt es allerdings in Riedenburg selbst,
unter den alten Kastanien des hauseigenen Biergartens. Wer will,
kann sich sogar vom Chef persönlich die Brauerei zeigen
lassen. Denn wie heißt es in der Begründung der Jury
so schön:
"Mit Idealismus, Kreativität und Können hat sich
das Riedenburger Brauhaus einen hervorragenden Ruf weit über
die Grenzen der Region hinaus erarbeitet."
Und das soll auch so bleiben!
Weitere Informationen unter www.riedenburger.de.
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