Die Preisträger 2007
2. Preis Mittelstand
Tofutown.com
Die Tofumacher aus der Eifel
In Tofutown mögen sie keine erhobenen Zeigefinger - ihre
Überzeugung, die Welt sei mit Pflanzenkost zu verbessern,
packen die Tofumacher aus der Eifel stattdessen in innovative
Bio-Soja-Produkte, die sie mit Humor vermarkten. Beispielsweise
als "Holzfäller-Hacksteaks", "Wiener Weizenschnitzel"
oder "Käpt'n Tofus Knusperstäbchen". "Wir
produzieren alles, was Menschen gerne essen und trinken, ohne
den Umweg über das Tier zu gehen", sagt Bernd Drosihn,
Pflanzenmann und "Le grand Tofu" bei Viana und Soyatoo!.
Neben Fleischalternativen stellt die Firma auch Räuchertofu,
Brotaufstriche, Sojadrinks und Käse-Alternativen her -
alles auf rein pflanzlicher Basis. Die kreative Produktvielfalt
wurde auf der Anuga in Köln mit dem zweiten Platz in der
Kategorie Mittelstand beim Innovationspreis Bio-Lebensmittel-Verarbeitung
belohnt.
Vor zwei Jahren hat Tofutown die weltweit erste pflanzliche
Schlagsahne vorgestellt: Soyatoo! basiert auf Sojamilch, lässt
sich aufschlagen wie konventionelle Sahne und ist auf dem globalen
Markt für Milchersatzprodukte konkurrenzlos. Die 1988 gegründete
Firma, deren Produkte in 16 europäische Staaten, in die
USA und nach Asien geliefert werden, residiert in Wiesbaum,
einer 600-Einwohner-Gemeinde im Herzen der Vulkaneifel. Inmitten
einer Naturlandschaft aus Kraterseen, Basaltkuppen und Vulkankegeln
entstehen vegane Convenience-Produkte für den "Veggie-Lifestyle",
wie es Geschäftsführer Drosihn nennt: "Wir bemerken
seit längerem einen Trend zur pflanzlichen Ernährung",
sagt er. Tatsächlich hat sich in den vergangenen 20 Jahren
die Anzahl der Vegetarier in Deutschland auf über sechs
Millionen Menschen mehr als verzehnfacht - in Zeiten von BSE
und Gammelfleisch ist Fleischverzicht normal geworden. 80 %
der Kunden sind keine Vegetarier, sondern Normalverbraucher,
die weniger Fleisch und tierische Produkte essen möchten.
Prinzipiell könne man Tofu in jeder Küche herstellen,
sagt Drosihn: "Sojabohnen einweichen, pürieren, mit
Wasser aufkochen, filtrieren und die gewonnene Sojamilch gerinnen."
Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn der Mehrwert von Convenience-Produkten
wie "Veggie Hack gut bürgerlich" oder "Pfannen-Gyros"
liegt im Veredelungs-Know-how, das sich die Tofumacher über
die Jahre angeeignet haben. Verarbeitet werden ausschließlich
biologisch erzeugte Rohstoffe. Weizen und Gemüse stammen
von den Rheinland-Höfen, einem regionalen Zusammenschluss
von Biobauern. Die Sojabohnen bezieht die Firma aus China und
von einer südbrasilianischen Kleinbauern-Kooperative. Um
den Wissensvorsprung bei der Verarbeitung zu halten, investiert
Tofutown in die Forschung: Gemeinsam mit der Universität
Hamburg entwickelt man neuartige Verfahren zur Herstellung pflanzlicher
Lebensmittel. Ihr Forscherdrang brachte der Firma Pluspunkte
bei der Jury.
Schwerpunkt des Sortiments bilden die Fleischalternativen. "Der
Begriff Burger' ist ja an sich nichts Schlechtes",
sagt Drosihn. "Problematisch sind nur die Inhalte, nämlich
tierische Rohstoffe. Aber die kann man ersetzen." Vegetarische
Eiweiße seien gesünder und dazu noch ökologischer
als tierische. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation zeigt,
dass die Viehzucht verantwortlich ist für 18 Prozent der
weltweit ausgestoßenen Treibhausgase und damit stärker
zum Klimawandel beiträgt als der Verkehrssektor. "Die
Produkte von Tofutown substituieren Fleisch und schonen damit
das Klima", urteilte die Jury des Innovationspreises. "Geschmack,
Konsistenz und Namensgebung sprechen Fleischesser an und erleichtern
den Einstieg in einen fleischarmen oder -losen Lebensstil."
Weitere Informationen unter www.tofutown.com.
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